Ich beginne mit einem ganz großen Danke. Ich war 25 Jahre lang Pfarrer und ich bin mir manchmal ziemlich allein vorgekommen, da vorne beim Altar in der Kirche, wenn keine Ministranten da waren. Manchmal war das der Fall. In vielen Pfarren, vielleicht war es bei euch auch so, war die Corona-Zeit eine schwierige Zeit. Da konnte man nicht in die Ministrantenstunde kommen, wir konnten nicht gemeinsam Gottesdienst feiern. Und ich bin jetzt fast jeden Sonntag irgendwo in einer anderen Pfarre und erlebe, dass es sehr unterschiedlich ist. In manchen Pfarren gibt es viele Ministrantinnen und Ministranten, in manchen Pfarren in unserer Diözese gibt es überhaupt keine Ministranten.
Deswegen freue ich mich sehr, dass heute so viele Minis gekommen sind, und ich möchte euch zu Beginn ein großes Danke sagen. Euer Dienst ist wichtig für die Liturgie, nicht nur für den Priester, sondern für die ganze Gemeinde. Es ist immer schön, wenn viele im Altarraum versammelt sind und mithelfen.
Wir haben gerade im Evangelium gehört, wie Jesus seine ersten Freunde sammelt. Sie verlassen alles und gehen mit Jesus mit. Die meisten seiner engsten Freunde waren Fischer. Wir haben vorhin in der Einstimmung zum Evangelium die Angel ausgeworfen. Das haben die Freunde Jesu vielleicht auch gemacht. Aber ich glaube, noch mehr als die Angel haben die Fischer damals Netze ausgeworfen und mit dem Netz Fische aus dem See gefischt. Über das Netz möchte ich gern mit euch ein wenig nachdenken.
Das Erste: Für die Freunde von Jesus gehörte das Netz zum Alltag. Das war ihr Beruf. Jeden Tag sind sie hinausgefahren auf den See, um mit dem Netz Fische zu fangen. Das bringt mich zu einem ersten Gedanken: Es ist super, wenn du am Sonntag da bist und ministrierst. Aber genauso wichtig ist es, an allen anderen Tagen auch an Jesus zu denken und mit ihm vernetzt zu sein mit ihm, im Gespräch, im Gebet. Das Netz gehört für die Fischer zum Alltag. Mit Jesus vernetzt und verbunden sein gehört für Minis auch zum Alltag. Nicht nur zum Sonntag, wenn man in der Messe eingeteilt ist und zum Ministrieren in die Kirche kommt.
Ein Zweites: Die Fischer, vielleicht hast du dir das gemerkt, die haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen, und dann kommt Jesus und sagt ihnen, probiert es noch einmal, werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus – und auf einmal fangen sie viele Fische. Das heißt, verbunden mit Jesus wird vieles möglich, was wir uns selbst oft gar nicht zutrauen und was wir nicht können. Mir ist es zum Beispiel so gegangen, ich habe mehr als ein Jahr lang überlegt, ob ich Bischof werden soll, ob ich zu diesem Auftrag, zu diesem Ruf Ja sagen kann. Und ich war lange der Meinung, nein, ich kann das nicht, ich schaffe das nicht. Und dann irgendwann ist mir gekommen, es ist ja nicht so wichtig, was ich kann oder nicht kann. Ich vertraue darauf, wenn Jesus mich braucht, auch in dieser Aufgabe als Bischof in Wien, dann wird er mir auch helfen. Vernetzt mit Jesus wird vieles möglich, auch das, was wir uns selbst gar nicht zutrauen, was wir nicht können, so wie damals bei den Fischern: Auf einmal war das Netz voll.
Und das dritte Symbol, woran mich das Netz erinnert, ist die Gemeinschaft der Kirche. Wir alle sind durch die Taufe, so wie jeder einzelne Faden in diesem Netz, eingebunden, festgebunden in ein Glaubensnetz, in die Gemeinschaft der Kirche. Ihr erlebt diese Gemeinschaft hoffentlich auch in einer super Ministrantengruppe, wo ihr nicht nur betet und Gottesdienst miteinander feiert, sondern auch viele andere Dinge gemeinsam unternehmt: Aktivitäten, Spaß, Ausflüge, Spiele, wodurch die Gemeinschaft wächst. Ein Netz des Glaubens, ein Netz der Gemeinschaft ist ganz wichtig, das gibt uns Halt.
So wünsche ich euch, dass wir von diesem Mini-Tag heute mitnehmen: Vernetzt sein gehört zu unserem Alltag – nicht nur am Sonntag, sondern jeden Tag vernetzt sein mit Jesus, im Gespräch, im Gebet. Vernetzt sein mit Jesus öffnet neue Möglichkeiten, auch weit über das, was ich selber kann und mir zutraue, gemeinsam mit Jesus gelingt vieles. Und das Dritte, vernetzt sein in einer Mini-Gruppe, in einer Pfarre, in der Gemeinschaft der Kirche, das gibt Halt.
Ihr habt Fische und ihr bekommt jetzt Stifte ausgeteilt oder habt vielleicht schon einen Stift. Die Idee ist folgende: Wir wollen dieses große Netz heute im Laufe des Mini-Tags mit vielen kleinen Fischen füllen. Und jetzt lade ich dich ein, dass du auf diesen Fisch einen guten Wunsch schreibst. Was wünschst du dir von Jesus oder was brauchst du, wenn du mit ihm vernetzt bist? Vielleicht brauchst du Mut, vielleicht brauchst du Freude, vielleicht brauchst du neue Freunde, vielleicht wünscht du dir Versöhnung nach einem Streit. Ich lade dich ein, schreib einen guten Wunsch auf diesen Fisch, und heute Nachmittag bekommt dann ein anderer deinen Fisch als Stärkung. Du kannst einen Wunsch draufschreiben, der dir wichtig ist, oder du denkst daran, was du einem oder einer anderen wünschst. Vernetzt sein, Gemeinschaft erleben, darum geht es heute auch bei diesem Mini-Tag.
Ich wünsche uns allen, dass dieses Zusammensein heute uns stärkt für den Dienst als Ministrantin und Ministrant, für unseren Dienst in der Kirche, dass unsere Verbindung untereinander und auch die Vernetzung mit Jesus heute wieder gefestigt wird.